Alkoholfreie Sake-Alternativen gewinnen weltweit zunehmend an Bedeutung und spiegeln den Wandel hin zu bewussterem Konsum wider. Immer mehr Menschen suchen nach hochwertigen Alternativen ohne Alkohol, ohne dabei auf Geschmack verzichten zu müssen.
Gleichzeitig reagieren Hersteller mit innovativen Ansätzen auf diese wachsende Nachfrage. Doch was steckt eigentlich hinter den alkoholfreien Produkten und wie entwickelt sich dieser Markt?
Wir haben mit Bastian Schwithal gesprochen. Er beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit Sake und beobachtet, wie sich das Getränk international verändert und neu erfunden wird.
Mei Watanabe: Bastian, ganz direkt gefragt: Was sind alkoholfreie Sake-Alternativen eigentlich und inwiefern kann man hier noch von Sake sprechen?
Bastian Schwithal: Klassischer Sake entsteht durch Fermentation, und damit entsteht automatisch Alkohol. In dem Moment, wo du den entfernst oder gar nicht erst entstehen lässt, bewegst du dich streng genommen außerhalb der traditionellen Definition. Traditioneller Sake ist immer alkoholisch. Als ‚alkoholfreier Sake‘ werden heute meist neue Getränke bezeichnet, die geschmacklich an Sake erinnern oder auf ähnlichen Rohstoffen basieren. Gleichzeitig orientieren sich viele dieser Produkte sehr stark an Sake, was Aroma und Stil angeht. Ich würde sagen: Es ist keine Kopie, sondern eher eine neue Kategorie, die sich aus Sake entwickelt.
Mei Watanabe: Also eher Interpretation als Ersatz?
Bastian Schwithal: Genau. Wenn man alkoholfreie Sake-Alternativen als Ersatz denkt, wird man oft enttäuscht sein. Wenn man ihn als eigenständiges Produkt versteht, wird es spannend. Gute Varianten versuchen tatsächlich diese typische Kombination aus leichter Süße, feiner Säure und Umami zu erzeugen, nur eben mit weniger Körper.
Mei Watanabe: Ganz ehrlich: Schmeckt das wirklich gut?
Bastian Schwithal: Das ist wahrscheinlich die wichtigste Frage. Die Qualität schwankt noch stark. Es gibt Produkte, die eher flach wirken, und andere, die wirklich interessant sind. Man darf nicht vergessen: Alkohol ist ein zentraler Geschmacksträger. Ihn zu ersetzen, ist technologisch extrem anspruchsvoll. Aber die Entwicklung ist schnell, und die Produkte werden deutlich besser. Alkoholfreie Sake-Alternativen können einzelne Aromaprofile nachbilden, unterscheiden sich jedoch deutlich im Mundgefühl.
Mei Watanabe: Wer interessiert sich aktuell für alkoholfreie Sake-Alternativen?
Bastian Schwithal: Mehr Leute, als man denkt. Natürlich Menschen, die keinen Alkohol trinken. Aber auch viele, die einfach bewusster konsumieren wollen. Gerade international sehen wir, dass alkoholfreie Sake-Alternativen oft ein Einstieg für Menschen sind, die sich für japanische Küche interessieren, aber mit klassischem Sake noch keine Berührungspunkte hatten.
Mei Watanabe: Du beobachtest den Markt schon länger. Ist das ein kurzfristiger Trend oder mehr?
Bastian Schwithal: Ich glaube, das ist Teil einer größeren Bewegung. Der gesamte Markt für alkoholfreie Getränke wächst stark, und Sake ist da keine Ausnahme. Gleichzeitig ist der klassische Sake-Markt, vor allem in Japan, seit Jahren rückläufig. Das setzt die Produzenten unter Druck, neue Wege zu finden.
Mei Watanabe: Heißt das, alkoholfreie Sake-Alternativen sind auch eine Reaktion auf diese Entwicklung?
Bastian Schwithal: Absolut. Viele Brauereien experimentieren gerade mit leichteren Stilen, neuen Zielgruppen und eben auch alkoholfreien Alternativen. Was man aktuell in Japan sieht: Immer mehr kleinere Brauereien entwickeln alkoholfreie Produkte bewusst nicht als Ersatz, sondern als eigenständige Kategorie. Gleichzeitig wächst international das Interesse an Sake insgesamt. Diese beiden Entwicklungen treffen hier aufeinander.
Mei Watanabe: Wie stark wächst das Segment aktuell?
Bastian Schwithal: Wir sehen in einigen Bereichen Wachstumsraten von ca. 20 Prozent pro Jahr. Das klingt sehr viel, und ist es auch. Man muss aber ehrlich sagen: Wir kommen von einem kleinen Niveau. Es ist ein junges Segment, das sich gerade erst formiert. Derzeit ist das Segment noch jung und international erst im Aufbau.
Mei Watanabe: Was sind die größten Herausforderungen?
Bastian Schwithal: Ganz klar Geschmack und Positionierung. Viele Produkte müssen noch beweisen, dass sie mehr sind als nur alkoholfrei. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie man das kommuniziert. Viele unterschätzen, dass alkoholfreie Sake-Alternativen keine vereinfachte Version von Sake sind, sondern ein Produkt mit eigener Logik. Diese Diskussion ist noch nicht abgeschlossen.
Mei Watanabe: Und was begeistert dich persönlich daran?
Bastian Schwithal: Dass sich gerade etwas Neues entwickelt. Sake ist ein sehr traditionelles Produkt, und plötzlich entstehen daraus ganz neue Interpretationen. Das öffnet die Tür für viele Menschen, die sonst keinen Zugang dazu hätten.
Mei Watanabe: In dem Zusammenhang wird oft auch Amazake erwähnt. Ist das eigentlich dasselbe wie "alkoholfreier Sake"?
Bastian Schwithal: Das wird tatsächlich oft verwechselt. Amazake ist ein traditionelles japanisches Getränk auf Reisbasis, das meist sehr süß und oft komplett alkoholfrei ist. Es entsteht ohne vollständige alkoholische Gärung und ist geschmacklich deutlich dichter und süßer als das, was wir heute als Sake bezeichnen würden.
Mei Watanabe: Also eher eine eigene Kategorie?
Bastian Schwithal: Genau. Amazake ist kein alkoholfreier Sake, sondern eher ein eigenständiges Getränk. Gleichzeitig zeigt es aber sehr gut, dass es in Japan schon lange Traditionen gibt, Reisgetränke ohne Alkohol herzustellen. In gewisser Weise kann man sagen, dass Amazake ein kultureller Vorläufer für das ist, was heute als alkoholfreie Sake-Alternativen neu gedacht wird.
Mei Watanabe: Zum Abschluss: Für wen lohnen sich alkoholfreie Sake-Alternativen?
Bastian Schwithal: Für alle, die neugierig sind. Man sollte sie nicht mit der Erwartung trinken, klassischen Sake zu ersetzen, sondern eher mit der Frage, was dieses Produkt eigenständig kann. Dann entdeckt man oft ziemlich spannende Dinge.
das Interview führte Mei Watanabe
